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Angeknackst - zwischen damals und später

KURZPROSA

11/9/2020

Angeknackst - zwischen damals und später

Zwischen damals und später ist eine unfassbar lange Zeit. Zumindest gefühlt, oder? Was ist schon dieses damals und was ist schon dieses später? Wo fängt später an und wo hört damals auf? Fragen über Fragen. Konzentrieren aufs Jetzt und Hier. Redet man sich immer ein. Oder ist dieses Einreden doch nur eine Flucht? Ein Flucht ins Jetzt! Weil man selbst nicht weiß, ob's eben damals besser war oder später gut werden wird. Naja, jetzt sitzen wir ja hier - wohl oder übel im Jetzt. Geflüchtet oder nicht, spielt auch keine Rolle mehr. Oder doch?
Lassen wir das mal so stehen.

Angeknackst. Eingerissen. Zerbrochen. Irgendwie am Versuch zerbrochen, nicht daran zu zerbrechen. Und in all dieser Zerbrechlichkeit, in diesem Jetzt, in diesem Versuch nach dem Ganzen im damals oder später zu suchen, doch irgendwie verlieren. Aber was eigentlich genau? Dich? Mich? Das was wir irgendwie Uns nannten? Nie ein Ganzes, dennoch Eins. Klingt komisch, klingt schön. Vielleicht ja genau in der Mitte zerbrochen? Schwierig die Mitte zu definieren, wenn man eigentlich Eins wird, oder? Fragen über Fragen.

Wir waren beim Angeknackst. Kommen wir darauf zurück.
Belastend. Belastend zu wissen, irgendwie nichts zu wissen. Belastend, diese Last zu tragen. Belastend, diese Last zu ertragen. Einfach belastend. Aber hey, "Ich bau auf Dich", heißt es so schön. Nur schwierig auf etwas aufzubauen, was eine Basis hat, die bröckelt. Eine Basis hat, die rissig ist - gar angeknackst? Da fragt man sich - schon wieder so eine blöde Frage - was da jetzt nicht gestimmt hat. War's jetzt das Fundament, auf dem man aufbauen wollte oder war es das Gesamtkonstrukt, das einfach falsch geplant war? Fragen über Fragen. Da wäre es Zeit für eine Antwort. Eine solide, feste, keine eingerissene, keine zerbrochene, keine angeknackste Antwort. Einfach eine neue, solide Basis. Was man anschließend darauf baut, kann man hinterher ja immer noch planen. Entweder alleine oder gemeinsam - das wird sich zeigen.

Bauen. Aufeinander bauen. Geht das überhaupt, ganz abgesehen von dem Fundament, wenn beide irgendwie angeknackst sind? Oder, geht es eben nur, wenn beide angeknackst sind? Wenn beide bröckeln! Wenn beide auf einem wackligen Fundament stehen und am Ende füreinander da sind und sich stützen - die Balance finden. Vielleicht ist genau das, das Geheimnis an der Sache. Dass es am Ende keine Rolle spielt, wie zerrissen oder wie zerbrochen man ist, weil man zusammen wächst und zusammenwächst. Zum Eins. Oder?

Oder eben nicht! Das ist nämlich die Krux am Jetzt. Weil im damals oder im später musste oder müsste, ich mir all diese Fragen vielleicht gar nicht stellen. Wäre vielleicht nie darauf gekommen oder an den Punkt gekommen, angeknackst zu sein. Verrückt eigentlich. Muss das alles sein? Kann ich mir sowas nicht ersparen? Nee, ich bin ja angeknackst und brauche am Ende Dich, für den richtigen Halt und das gegenseitig Stützen. Für das Zusammenwachsen und zusammen wachsen. Oder? Brauche ich Dich? Brauchte ich Dich damals? Brauche ich Dich später?

Auf jeden Fall brauche ich Dich jetzt.
Oder?